Montage des Turms einer Windkraftanlage. Foto: S Bleek

Im Forstenrieder Park wachsen die Türme

Wer in diesen Tagen Richtung Forstenrieder Park blickt, sieht, wie aus Planung Wirklichkeit wird. Der erste Betonturm des Bürgerwindparks steht, 90 Meter hoch. Direkt daneben ist der zweite fast fertig. Beim Pressetermin auf der Baustelle zeigte sich, wie viel Aufmerksamkeit das Projekt weckt. Die Energiegenossenschaft Fünfseenland ist mit dabei, als Miteigentümerin.

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Besuch der Beteiligten auf der Windrad-Baustelle (v. l. n. r.): Robert Hrasky (Bürgermeister Neuried), Katharina Habersbrunner (Geschäftsführerin Bürgerwindpark Forstenrieder Park Verwaltungs GmbH), Christian Fürst (Bürgermeister Schäftlarn), Christine Eisenmann (Bürgermeisterin Pullach), Patrick Ott (Bürgermeister Baierbrunn), Marlene Greinwald (Energiegenossenschaft FünfseenLand). Foto: © Bürgerwindpark Forstenrieder Park.

Am Fuß des ersten Turms standen alle, die das Projekt tragen: die Bürgermeisterin und die Bürgermeister der vier beteiligten Gemeinden, die Geschäftsführung des Bürgerwindparks und für die EGF Marlene Greinwald. Vor Ort waren die Süddeutsche Zeitung, der Münchner Merkur und weitere regionale Medien. Der Windpark stößt auf großes Interesse. Im Hintergrund lief die Arbeit weiter.

Die Arbeit folgt einem gleichmäßigen Takt. Ein Baukran hebt Betonsegment um Betonsegment auf den Turm. Jedes ist 2,80 Meter hoch und zwischen 30 und 50 Tonnen schwer. Ring für Ring wächst der Turm, bis nach gut dreißig Lagen die 90 Meter erreicht sind. Beim ersten Windrad ist das geschafft, beim zweiten fehlen nur noch wenige Segmente. Die übrigen Türme folgen in den kommenden Wochen.

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Katharina Habersbrunner, Geschäftsführerin der Bürgerwindpark Forstenrieder Park Verwaltungs GmbH, beim Pressetermin. Foto: © Stephan Bleek

„Damit zeigt sich, was möglich ist, wenn Menschen aus der Region für die Menschen in der Region arbeiten“, sagt Katharina Habersbrunner. „Der Windpark wird jetzt aus der Ferne jeden Tag ein Stück sichtbarer.“

Breiter Rückhalt in der Bevölkerung

Wie die Menschen rund um den Forstenrieder Park zum Windpark stehen, weiß Marlene Greinwald aus erster Hand. Im Juli hat sie für die EGF zahlreiche Gespräche mit Bürgerinnen und Bürgern geführt. „Die große Mehrheit steht hinter dem Projekt“, sagt sie. „Das erleben wir auch auf den Bürgerversammlungen in den beteiligten Gemeinden. Dort ist die Zustimmung sehr hoch. Die Windkraftgegner im Landkreis sind eine kleine Gruppe.“

Der Sommer hat die Gewichte aus ihrer Sicht noch einmal verschoben. Monate, in denen die Blockade der Straße von Hormus die Energiepreise nach oben treibt, eine Hitzewelle nach der anderen. „Nach diesem Sommer ist es noch viel dringender geworden, dass wir unsere eigene, klimaneutrale Energie erzeugen, und zwar hier in der Region“, sagt Greinwald.

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Betonturm Windkraftanlage Forstenrieder Park. Foto. S. Bleek
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Turmbau Windkraftanlage Forstenrieder Park. Foto. S. Bleek

Der erste 90-Meter-Betonturm steht, der zweite ist kurz vor der Fertigstellung.

Wie es weitergeht

Ist der Betonturm fertig, geht die Arbeit zunächst im Inneren weiter. Dort werden technische Komponenten und die Elektrik eingebaut. Danach wird auf den Betonsockel ein Stahlturm von rund 75 Metern gesetzt. Damit erreicht die Nabe ihre endgültige Höhe von 166 Metern. Zuletzt kommen die großen Bauteile: das Maschinenhaus mit dem Generator und die drei Rotorblätter, die jeweils rund 80 Meter lang sind. Ab Ende Oktober sollen die ersten dieser Großkomponenten angeliefert werden. Vom Boden bis zur Spitze des obersten Flügels misst jede Anlage dann 246 Meter.

Gebaut wird zuerst westlich der A95. Östlich der Autobahn wird der nächste Bauabschnitt schon vorbereitet. Sind die drei westlichen Türme fertig, zieht der Turmkran auf die andere Seite.

Strom für 20.000 Haushalte

Die sechs Anlagen leisten zusammen 33 Megawatt. Bilanziell decken sie den Jahresverbrauch von 20.000 Zwei-Personen-Haushalten. „Damit trägt der Windpark deutlich zur Stromversorgung der Region bei und bringt die Energiewende voran, die derzeit spürbar unter Beschuss steht“, sagt Habersbrunner. „Deshalb nehmen wir die Energiewende selbst in die Hand und investieren mit unseren Nachbarinnen und Nachbarn unser Geld hier, wo wir leben.“

Die EGF ist mit an Bord

Der Windpark gehört nicht einem großen Konzern, sondern der Region. Die Energiegenossenschaft Fünfseenland eG ist 2024 gemeinsam mit der Bürgerenergiegenossenschaft BENG eG als Kommanditistin in die Betreibergesellschaft eingestiegen. Über die Energiegenossenschaften sind Bürgerinnen und Bürger mit insgesamt 2,4 Millionen Euro am Projekt beteiligt. Die Mitglieder der EGF finanzieren also mit, was dort gerade in die Höhe wächst. Die Erträge aus dem Stromverkauf fließen in die Region zurück.

Das Projekt ist eine Initiative der Gemeinden Baierbrunn, Neuried, Pullach und Schäftlarn. Dass alle vier Rathäuser beim Termin vertreten waren, zeigt, wie eng sie zusammenarbeiten. Zwei der sechs Anlagen gehören der Innovativen Energie für Pullach GmbH (IEP), einer Tochter der Gemeinde Pullach. Sie nutzt den Windstrom für ihre Geothermieanlage. „Wir wollten sicherstellen, dass wir im besten Sinn regionale Wertschöpfung betreiben“, sagt Habersbrunner.

Neuer Wald für den Bannwald

Für die Eingriffe in den Wald gibt es einen Ausgleich. In Baierbrunn wurden auf 2,5 Hektar direkt am Forstenrieder Park 7.100 Bäume und 1.100 Sträucher gepflanzt. Daraus soll ein Mischwald aus Buche, Eiche, Tanne, Winterlinde, Hainbuche und Birke werden. Elf Greifvogelansitze helfen dabei, Mäuse auf natürliche Weise in Schach zu halten. Auch die sechs Baustellenflächen werden nach Fertigstellung renaturiert.

Einen Rückschlag gab es Anfang September: Unbekannte besprühten an einem Standort Turmsegmente. Die Reinigung läuft fachgerecht und unter Einhaltung aller Umweltauflagen. Nennenswerte Verzögerungen werden nicht erwartet. Die Inbetriebnahme ist weiterhin für 2027 geplant.

Mehr zum Projekt: www.windkraft-forstenriederpark.de

Die Windkraft Forstenrieder Park

Das Bürgerwindprojekt Windkraft Forstenrieder Park ist eine Initiative der vier Kommunen Baierbrunn, Neuried, Pullach und Schäftlarn. Gemeinsam mit der Innovative Energie für Pullach (IEP) wollen sie sechs Windräder im Forstenrieder Park errichten und Bürgerinnen und Bürger am Projekt über Energiegenossenschaften finanziell beteiligen. Die vier Gemeinden sind in der Ende 2023 gegründeten Betreibergesellschaft vertreten. Die Bürgerenergiegenossenschaft BENG eG und die Energiegenossenschaft Fünfseenland eG wurden im Jahr 2024 ebenfalls Kommanditisten der Betreibergesellschaft. Bürgerinnen und Bürger der Gemeinden konnten sich am Windprojekt finanziell beteiligen. Die Energiegenossenschaften organisieren die Bürgerbeteiligung.

Auf einen Blick: Das Bürgerwindprojekt Windkraft Forstenrieder Park

Die Windkraft Forstenrieder Park ist ein Gemeinschaftsprojekt der vier Gemeinden Baierbrunn, Neuried, Pullach und Schäftlarn sowie der Bürgerenergiegenossenschaften BENG eG und Energie-Genossenschaft Fünfseenland eG. Zwei der sechs Anlagen gehören der Innovative Energie für Pullach GmbH (IEP), die das Gesamtvorhaben leitet. Die Planung bis zur Genehmigung verantwortete der oberbayerische Windkümmerer Beermann Energiesysteme GmbH; die weitere Projektsteuerung liegt bei der IEP.

Windkraftanlage vom Typ Enercon E-160

Die wichtigsten Fakten:

  • 6 Windräder – davon 4 in Bürgerhand (über die Gemeinden und die Energiegenossenschaften BENG eG und EGF) und 2 der IEP
  • 33 Megawatt Gesamtleistung
  • rund 20.000 Zwei-Personen-Haushalte werden bilanziell pro Jahr mit Strom versorgt
  • 246 Meter Gesamthöhe je Anlage
Karte mit den sechs Standorten der Windkraftanlagen im Forstenrieder Park
Standorte der Windkraftanlagen Bürgerwind Forstenrieder Park. Die vier blau markierten Anlagen werden mit unserer Beteiligung gebaut. Karte: © OpenStreetMap contributors

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