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Die Türme liegen noch am Boden

An drei Sonntagen im Juli standen die Projektverantwortlichen des Bürgerenergieprojekts Windkraft Forstenrieder Park direkt an der Baustelle Rede und Antwort. Bis zu 100 Bürgerinnen und Bürger kamen vorbei – und sahen ein Windrad in seinen Einzelteilen.

Baustelle der Windenergieanlage 02 im Forstenrieder Park
Die Baustelle der Windenergieanlage 02 im Forstenrieder Park. Foto: © Stephan Bleek, Bürgerenergie Forstenrieder Park / EGF

Eine Beachflag im Wald

Erkennungsmerkmal waren eine Beachflag und ein kleiner Informationstisch: Am 12., 19. und 26. Juli, jeweils von 13 bis 16 Uhr, luden die Projektgesellschaft Bürgerwindpark Forstenrieder Park GmbH & Co. KG, die Gemeinden Baierbrunn, Neuried, Pullach und Schäftlarn sowie die beiden beteiligten Energiegenossenschaften BENG eG und Energiegenossenschaft Fünfseenland eG an den Standort der Windenergieanlage 02 im Bereich Max-Josef-Geräumt. Viele Besucherinnen und Besucher kamen mit dem Rad, manche mit Anhänger und Kindern.

Eine Platte, Stangen und eine Reihe grauer Bögen

Kreisrunde Fundamentplatte mit schwarzen Spanngliedern, davor Besucherinnen und Besucher

Wer erwartet hatte, bereits einen Turm zu sehen, wurde überrascht. Auf der Baustelle ist bislang die kreisrunde Fundamentplatte errichtet, aus deren Mitte schwarze Stangen in die Höhe ragen – sie werden später im Inneren des Turms die Spannglieder verankern, die die Konstruktion zusammenhalten.

Daneben, in einer langen Reihe auf dem Kiesplatz aufgestellt, warten die vorgefertigten Betonsegmente: überwiegend graue Halbschalen, dazwischen einzelne grün und leuchtend rot lackierte.

Das Rot ist kein Gestaltungseinfall, sondern Vorschrift. Die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen verlangt bei Anlagen über 150 Metern einen drei Meter hohen Farbring am Turm, damit Piloten das Hindernis auch bei Tageslicht erkennen. Regulär beginnt er in 40 Metern über Grund – an Waldstandorten darf er nach oben rücken, wenn die Baumkronen ihn sonst verdecken würden. Dazu kommen rot-weiße Streifen an den Rotorblattspitzen und ein roter Streifen am Maschinenhaus.

Rot lackierte Betonsegmente des Turms neben grauen Segmenten auf dem Lagerplatz im Wald
Vorschrift statt Farbwahl: Aus diesen roten Segmenten entsteht der Farbring, der die Anlage tagsüber für den Luftverkehr erkennbar macht. Foto: © Stephan Bleek, Bürgerenergie Forstenrieder Park / EGF

Genau diese Anschaulichkeit war der Grund für die Terminwahl.

Ein idealer Zeitpunkt also, den Menschen den Baufortschritt zu zeigen.

Katharina Habersbrunner, Geschäftsführerin der Bürgerwindpark Forstenrieder Park Verwaltungs GmbH

Habersbrunner stand an den Ständen selbst für Fragen bereit.

Infostand mit Beachflag und Informationstisch an der Baustelle im Forstenrieder Park
Infostand an der Windenergieanlage 02. Foto: © Stephan Bleek, Bürgerenergie Forstenrieder Park / EGF

In der ersten Augustwoche geht es hoch

Die Standorte sind vorbereitet, die Kabel liegen, die Fundamente sind fertig. In der ersten Augustwoche beginnt die Montage des ersten Turms: zunächst rund 100 Meter aus Betonfertigteilen, Segment für Segment aufeinandergesetzt. Darüber folgt ein weiterer Abschnitt aus Stahl von rund 60 Metern. Insgesamt entstehen im Forstenrieder Park sechs Anlagen – drei westlich, drei östlich der A95.

Warum sind Windräder rot-weiß markiert?

Windenergieanlagen sind Luftfahrthindernisse. Ab 100 Metern Gesamthöhe schreibt die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen (AVV) eine Tagesmarkierung vor:

  • Rotorblätter: ab 100 m Gesamthöhe drei Sätze rot-weiß-roter Streifen von je 6 Metern, von der Blattspitze aus
  • Maschinenhaus: ab 150 m ein 2 Meter breiter roter Streifen
  • Turm: ab 150 m ein 3 Meter hoher Farbring in Rot oder Orange, regulär beginnend in 40 Metern über Grund. An Waldstandorten darf er höher gesetzt werden, wenn die Bäume ihn verdecken würden.

Mehr Neugier als Skepsis

Die Resonanz war überwiegend positiv. Gefragt wurde nach Bauzeitplan, Schall und Rückbau, vor allem aber danach, was der Windpark für die Stromversorgung der Gemeinden südlich von München bedeutet. Nur wenige Windkraftgegner meldeten sich zu Wort – ihre Einwände wurden vor Ort diskutiert, nicht abgewiesen. Genau dafür waren die Termine gedacht.

Die Sommerhitze 2026 war in vielen Gesprächen präsent. Immer wieder brachten Besucherinnen und Besucher von sich aus die Dringlichkeit der Energiewende ins Spiel – und wogen die Eingriffe in den Waldbestand gegen das ab, was ein sich weiter erwärmendes Klima diesem Wald ohnehin abverlangen wird. Ein Argument, das an diesem Nachmittag mehrfach fiel: Die Fläche, die ein Windrad im Forst beansprucht, ist überschaubar gegenüber dem, was Trockenheit und Waldbrände in Südeuropa gerade anrichten.

Informationstafel am Bauzaun der Windkraftbaustelle im Forstenrieder Park
Foto: © Stephan Bleek, Bürgerenergie Forstenrieder Park / EGF

Die Windkraft Forstenrieder Park

Das Bürgerwindprojekt Windkraft Forstenrieder Park ist eine Initiative der vier Kommunen Baierbrunn, Neuried, Pullach und Schäftlarn. Gemeinsam mit der Innovative Energie für Pullach (IEP) wollen sie sechs Windräder im Forstenrieder Park errichten und Bürgerinnen und Bürger am Projekt über Energiegenossenschaften finanziell beteiligen. Die vier Gemeinden sind in der Ende 2023 gegründeten Betreibergesellschaft vertreten. Die Bürgerenergiegenossenschaft BENG eG und die Energiegenossenschaft Fünfseenland eG wurden im Jahr 2024 ebenfalls Kommanditisten der Betreibergesellschaft. Bürgerinnen und Bürger der Gemeinden konnten sich am Windprojekt finanziell beteiligen. Die Energiegenossenschaften organisieren die Bürgerbeteiligung.

Vier Projektbeteiligte am Infostand vor der Fundamentplatte
v.l.n.r.: Peter Birett, Mitglied des Aufsichtsrats der BENG eG, Dr. Dieter Maier, Gemeinderat Neuried, Katharina Habersbrunner, Vorständin BENG eG, und Marlene Greinwald, Vorständin EGF eG. Foto: © Bürgerenergie Forstenrieder Park / EGF

Auf einen Blick: Das Bürgerwindprojekt Windkraft Forstenrieder Park

Die Windkraft Forstenrieder Park ist ein Gemeinschaftsprojekt der vier Gemeinden Baierbrunn, Neuried, Pullach und Schäftlarn sowie der Bürgerenergiegenossenschaften BENG eG und Energie-Genossenschaft Fünfseenland eG. Zwei der sechs Anlagen gehören der Innovative Energie für Pullach GmbH (IEP), die das Gesamtvorhaben leitet. Die Planung bis zur Genehmigung verantwortete der oberbayerische Windkümmerer Beermann Energiesysteme GmbH; die weitere Projektsteuerung liegt bei der IEP.

Windkraftanlage vom Typ Enercon E-160

Die wichtigsten Fakten:

  • 6 Windräder – davon 4 in Bürgerhand (über die Gemeinden und die Energiegenossenschaften BENG eG und EGF) und 2 der IEP
  • 33 Megawatt Gesamtleistung
  • rund 20.000 Zwei-Personen-Haushalte werden bilanziell pro Jahr mit Strom versorgt
  • 246 Meter Gesamthöhe je Anlage
Karte mit den sechs Standorten der Windkraftanlagen im Forstenrieder Park
Standorte der Windkraftanlagen Bürgerwind Forstenrieder Park. Die vier blau markierten Anlagen werden mit unserer Beteiligung gebaut. Karte: © OpenStreetMap contributors

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